8. Juli 2026

Empört Flur

Der Staubsauger

Ich muss etwas festhalten, für die Nachwelt, falls mir heute etwas zustößt: Der Staubsauger war wieder da.

Es begann wie immer, völlig ohne Vorwarnung. Ein Klicken aus dem Schrank im Flur, dann dieses tiefe, aggressive Brummen, das durch die ganze Wohnung hallt und jedes Gespräch, jeden Sonnenstrahl und jede innere Ruhe sofort beendet. Ich saß gerade in aller Gemütlichkeit auf der Fensterbank, mitten in einer wichtigen Beobachtung eines Vogels, der offensichtlich keine Ahnung hatte, wie nah er meiner ungeteilten Aufmerksamkeit war. Und dann: dieses Geräusch.

Ich möchte an dieser Stelle klarstellen, dass meine Reaktion, die manche als „panisches Sofa-Verstecken“ bezeichnen könnten, in Wahrheit eine taktische Rückzugsbewegung war. Man muss die Lage neu bewerten, wenn plötzlich ein lautes, sich bewegendes Ungetüm durch den Flur fegt. Das ist keine Feigheit. Das ist Strategie.

Von meinem Beobachtungsposten unter dem Sofa aus habe ich das gesamte Geschehen genau verfolgt. Mein Mensch schob dieses Ding methodisch durch den Flur, über den Teppich, sogar gefährlich nah an mein Kratzbaum-Territorium heran. Ich habe mit tiefstem Missfallen zugesehen und mehrfach mein Unbehagen lautstark kundgetan, was leider komplett ignoriert wurde. Man fühlt sich da schon relativ machtlos, das gebe ich zu.

Nach einer gefühlten Ewigkeit – mein Mensch behauptet, es waren keine zehn Minuten, aber ich vertraue dieser Aussage nicht – wurde das Ding endlich wieder in den Schrank verbannt. Die Stille danach fühlte sich an wie ein Sieg. Mein Sieg, wohlgemerkt, auch wenn ich objektiv betrachtet die ganze Zeit unter dem Sofa lag und nichts getan habe außer zu warten.

Ich kam erst eine ganze Weile später wieder hervor, sehr vorsichtig, Schritt für Schritt, die Ohren auf Empfang für jedes verdächtige Klicken aus dem Schrank. Der Flur roch anders. Sauberer, ja, aber auch fremder. Als hätte jemand meine sorgfältig über Wochen verteilten persönlichen Duftmarken einfach entfernt. Was, wie ich zugeben muss, wahrscheinlich genau der Sinn der Übung war.

Der Rattantisch war zum Glück unberührt. Das habe ich als Erstes geprüft. Manche Dinge müssen einfach stimmen, bevor man sich wieder normalen Aktivitäten wie Schlafen oder dem Anstarren der Wand widmen kann.

Mein Mensch hat mir danach ein Leckerli angeboten, offensichtlich in dem Versuch, sein Gewissen zu beruhigen. Ich habe es natürlich angenommen. Prinzipien sind wichtig, aber man muss auch pragmatisch bleiben, besonders wenn Futter im Spiel ist.

Trotzdem: Ich werde ein Auge auf diesen Schrank behalten. Man weiß ja nie, wann das Ding wieder zuschlägt, und ich habe nicht vor, beim nächsten Mal überrascht zu werden. Vorbereitung ist alles.

Kylos Weisheit des Tages: Wahrer Mut zeigt sich nicht darin, keine Angst zu haben, sondern darin, nach dem Staubsaugen als Erstes den Rattantisch zu inspizieren.

Kylo

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